Sprache und Identität - Franz Kafka im mitteleuropäischen sprachlichen und kulturellen Kontext


Die Aufgabe des Projektes, das 2004 bis 2007 von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert wurde, ist nähere Bestimmung möglicher Auswirkungen des Bi- bzw. Multilingualismus in privater und öffentlicher Sphäre auf Franz Kafkas Deutsch, wobei entsprechende Phänomene durchaus auch aus der Variation des Deutschen erklärbar sind. Dies dürfte das bipolar sprachnationale, deutsch-tschechische Erklärungsmuster der sozialen Realität, das weit über das 19. Jahrhundert hinaus wirksam geblieben ist und die Interpretation von Kafkas Biographie und Werk bis heute bestimmt, zumindest problematisieren — so wie dies auch Kafka in seinen privaten und literarischen Texten tut. Dafür ist es notwendig die sozialen und institutionellen Voraussetzungen des deutsch-tschechischen Bilingualismus und Franz Kafkas Sprachkompetenz und -verhalten in Bezug auf den sozialen Wandel in den Institutionen (Schule, Verwaltung) nachzuzeichnen, deren Konstruktion und Funktionieren im Wesentlichen einerseits durch die Förderung der Sprachnationen und andererseits durch den Sprachenkampf bestimmt waren. Dies wurde durch vier Teilprojekte in Form von Promotionsprojekten sichergestellt:

 

·         Regionalismen in Franz Kafkas Deutsch anhand nichtliterarischer Texte (Verena Bauer)

·         Regionalismen in Franz Kafkas Deutsch anhand seiner literarischen Texte (Boris Blahak)

·         Sprache und Ethnizität an Prager Volksschulen und Gymnasien (Ingrid Stöhr)

·         Innere und äußere Amtssprache in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag (Simona Švingrová)

 

Das Projekt ging von eigenen Recherchen, Quellenarbeit und Analysen aus, man konnte sich aber auch auf die kollegiale Unterstützung seitens der Herausgeber von Franz Kafkas Briefen (hg. v. H.-G. Koch) und Amtlichen Schriften (hg. v. K. Hermsdorf u. B. Wagner) stützen, mit denen man auch früher kooperierte. Eine weitere Unterstützung erfuhr das Projekt durch die Kooperation mit Kollegen Prof. Dr. Jürgen Daiber, Prof. Dr. Albrecht Greule (Universität Regensburg) und Prof. PhDr. Jiří Pešek, CSc und Doz. PhDr. Jaroslav Kučera, CSc. (Karlsuniversität)

 

Im Rahmen des Projektes wurden in Regensburg drei Symposien/Konferenzen organisiert, die durch Sammelbände oder Aufsätze dokumentiert sind: „Central European, National, Modern? Constructing Central European Literature and Culture“ (July 2007), „Deutsch in multilingualen Stadtzentren Mittel- und Osteuropas“ (Februar 2006), „Sprache und nationale Identität in öffentlichen Institutionen der Kafka-Zeit“ (September 2005).

 

Publikationen in Auswahl:

Bauer, Verena (2008): „Regionalismen in Franz Kafkas Deutsch - reflektiert vor dem Hintergrund des städtischen Kontexts Prags“. – In: Nekula, M. / Bauer, V. / Greule, A. (Hgg.), Deutsch in multilingualen Stadtzentren Mittel- und Osteuropas. Um die Jahrhundertwende vom 19 zum 20. Jahrhundert. Wien: Praesens, 45-78.

Bauer, Verena (2007): „Schwimmen zwischen Sprachen“ – Franz Kafka und Prag. Sprachliche Variabilität im Kontext städtisch geprägter Identitätsangebote und institutioneller Zwänge. – In: Lasatowicz, M. K. / Rudolph, A. (Hgg.), Der städtische Raum als kulturelle Identitätsstruktur. Akten der VI. Internationalen Konferenz des Germanistischen Instituts der Universität Opole (= SILESIA, Schlesien im europäischen Bezugsfeld. Quellen und Forschungen, Band 5). Redaktionsschluss September 2006, Veröffentlichung vorgesehen im trafo Verlag Berlin im Jahre 2007.

Bauer, Verena (2006): Regionalismen in Franz Kafkas Deutsch (Amtliche Schriften, Tagebücher, Briefe). Ein Projektbericht. – In: brücken N.F. 14, 2006, 341-371.

Blahak, Blahak (2015): Franz Kafkas Literatursprache: Deutsch im Kontext des Prager  Multilingualismus. Weimar: Böhlau. (=  Intellektuelles Prag 7)

Fleischmann, Ingrid (2007): Sprachen an deutschen Prager Volksschulen. – In: Nekula, M. / Fleischmann, I. / Greule, A. (Hgg.), Franz Kafka im sprachnationalen Kontext seiner Zeit. Sprache und nationale Identität in öffentlichen Institutionen der böhmischen Länder. Köln, Weimar: Böhlau, 183-212.

Stöhr, Ingrid  (2010): Zweisprachigkeit in Böhmen - Deutsche Volksschulen und Gymnasien im Prag der Kafka-Zeit. Weimar: Böhlau (= Bausteine zur slavischen Philologie und Kulturgeschichte 70).

 

Nekula, Marek (2008): Franz Kafka's Languages. Monolingualism, bilingualism, or multilingualism of a Prague Jew? – In: Nekula, M. / Bauer, V. / Greule, A. (eds.), Deutsch in Stadtzentren Mittel- und Osteuropas. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Wien: Praesens, 15-44.

Nekula, Marek (2007): Franz Kafkas Sprachen und Sprachlosigkeit. – In: brücken N.F. 15, 99-130.

Nekula, Marek (2007): Jazyky Franze Kafky. Monolinguismus, bilinguismus nebo multilinguismus? – In: Kafka a Čechy. Kafka und Böhmen. Praha: Nakladatelství Franze Kafky, 67-95.

Nekula, Marek (2007): Divided City: Prague Public Space and Franz Kafka’s Readings of Prague. – In: Nekula, M. / Fleischmann, I. / Greule, A. (Hgg.), Franz Kafka im sprachnationalen Kontext seiner Zeit. Sprache und nationale Identität in öffentlichen Institutionen der böhmischen Länder. Köln, Weimar: Böhlau, 85-106.

Nekula, Marek (2006): Franz Kafkas Sprachen und Identität. – In: Nekula, M. / Koschmal, W. (Hgg.), Juden zwischen Deutschen und Tschechen. Sprachliche und kulturelle Identitäten in Böhmen, 1800-1945. München: Oldenbourg, 125-149.

Nekula, Marek (2006): Pražské mosty a národní diskurs. – In: Tureček, D. / Urválková, Z. (eds.), Mezi texty a metodami. Národní a univerzální v české literatuře 19. století. Olomouc: Periplum, 323-344.

Nekula, Marek (2004): Kafkas Verwendung der deutschen Sprache. – In: Kafka Katern 12, Nr. 4, 93-97. 

Nekula, Marek (2004): Prager Brücken und der nationale Diskurs in Böhmen. – In: brücken 12, 163-186.

 

Becher, Peter/Höhne, Steffen/Nekula, Marek (Hgg.): Kafka und Prag: Literatur-, kultur-, sozial- und sprachhistorische Kontexte. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2012. (= Intellektuelles Prag 3).

Nekula, Marek / Bauer, Verena / Greule, Albrecht (Hgg.) (2008): Deutsch in Stadtzentren Mittel- und Osteuropas. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Wien: Praesens.

Nekula, Marek / Fleischmann, Ingrid / Greule, Albrecht (Hgg.) (2007): Franz Kafka im sprachnationalen Kontext seiner Zeit. Sprache und nationale Identität in öffentlichen Institutionen der böhmischen Länder. Köln: Böhlau.

Nekula, Marek / Koschmal, Walter (Hgg.) (2006): Juden zwischen Deutschen und Tschechen. Sprachliche, literarische und kulturelle Identitäten in Böhmen, 1800-1945. München: Oldenbourg.

 

Švingrová, Simona/Nekula, Marek (2010): Die Sprachenfrage in Böhmen nach 1900. Der tatsächliche Gebrauch der deutschen und tschechischen Amtssprache am Beispiel der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag. - In: S. Höhne & L. Udolph (eds.), Deutsche - Tschechen - Böhmen: Kulturelle Integration und Desintegration im 20. Jahrhundert. Weimar etc.: Böhlau 2010, 73-90.

Švingrová, Simona (2007): Tschechisch oder Deutsch? Auf dem Weg von Konkurrenz zu Dominanz. Zum Einsatz von innerer und äußerer Amtssprache in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt im Prag der Kafka-Zeit (1908-1922). – In: Nekula, M. / Fleischmann, I. / Greule, A. (Hgg.), Franz Kafka im sprachnationalen Kontext seiner Zeit. Sprache und nationale Identität in öffentlichen Institutionen der böhmischen Länder. Köln, Weimar: Böhlau, 129-149.

 

 

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