Schlussbemerkung

Der vorliegende Band ist in seiner Zielsetzung kühn und bescheiden zugleich. Er wendet sich in einer deutschen und in einer - parallel erschienenen - tschechischen Version (Paseka Verlag, Prag) an ein breiteres interessiertes Publikum in Deutschland und Tschechien. Absicht ist es, das Bild vom unmittelbaren, bekannten und doch wieder wenig bekannten Nachbarn vertiefend und differenzierend zu konturieren. Gilt doch auch hier, dass der jeweils andere und seine Wahrnehmung der Welt erst einmal verstanden sein will – dann wird sich Prag nicht mehr nur geographisch in der Mitte zwischen Berlin und Wien befinden.
Die deutschen und tschechischen Autoren der einzelnen Beiträge behandeln eine Vielzahl von ausgewählten Fragen des deutsch-tschechischen Mit- und Gegeneinander: aus unterschiedlichen, vor allem aus national verschiedenen Perspektiven. Eine Reihe von Themen blieb trotz ihrer kulturhistorischen Bedeutung oder ihrer Aktualität in der Gegenwart unberücksichtigt oder findet nur am Rande Erwähnung. Dieser Sammelband will nämlich weder eine Bilanz der gemeinsamen Geschichte ziehen noch eine Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen entwerfen.
Um eine geschichtliche Bilanz hat sich bereits die Deutsch-tschechische Historikerkommission in ihrer 1996 veröffentlichten Skizze Konfliktgemeinschaft, Katastrophe, Entspannung bemüht. Um die deutsch-tschechischen Beziehungen als Ganzes zu bilanzieren, ist die deutsch-tschechische Perspektive im übrigen viel zu eng, zugleich aber viel zu weit. Zu weit ist sie, weil die unmittelbare Begegnung der deutschen und der tschechischen Kultur über Jahrhunderte an die Böhmischen Länder gebunden und in einen österreichischen Kontext eingebettet war. Zu eng ist sie, weil beide Kulturen auch in andere Zusammenhänge eingebunden waren und es zwischen Tschechen und Deutschen auch um Werte geht, die den Horizont beider Nationalkulturen übersteigen.
Für die Zukunft bleibt nur zu hoffen, dass sich die deutsch-tschechischen Beziehungen in einer demokratischen Welt entfalten. Die europäische Dimension dieser Beziehungen, ihre europäische Verankerung und ihr europäischer Charakter standen stets außer Zweifel: im Europa der Aufklärung nicht weniger als im nationalistischen oder geteilten Europa. Die Weite dieser europäischen Dimension und die bereichernde Unmittelbarkeit, mit der sich die deutsche und tschechische Kultur wechselseitig erfahren, ist beiden Nachbarn auch künftig zu wünschen.

Regensburg, Januar 2000

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