Geleitwort

Als ich im Mai diesen Jahres die mittelalterliche bayerische Stadt Regensburg besuchte, wurden mir jene alten kulturellen und geistigen Bindungen, die die Tschechische Republik mit dieser schönen Ecke Europas verbinden, besonders deutlich bewusst. Mit Hochachtung registrierte ich die Bemühungen der dortigen kulturellen Einrichtungen, die deutsche Öffentlichkeit mit der tschechischen Gegenwartskultur, dem Reichtum und der Vielfalt unseres historischen „Mit- und Gegeneinanders“ vertraut zu machen. Ein besonderes Erlebnis war für mich die Diskussion mit Studenten der Regensburger Universität, viele davon begeisterte Bohemisten und Slawisten mit profunden Kenntnissen. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der bayerischen Staatsregierung Edmund Stoiber äußerte ich meine Freude über die großzügige Unterstützung, die der Bohemistik und Slawistik in Regensburg aus den Mitteln des Freistaats Bayern zuteil wird.
 Ich freue mich sehr, diesen positiven Beiträgen zu einem gegenseitigen Kennenlernen und zur Zusammenarbeit heute den vorliegenden Sammelband mit dem Titel Deutsche und Tschechen hinzufügen zu können. Redigiert und herausgegeben wurde er mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung von der Regensburger Bohemistik. Ich freue mich um so mehr, als sich dieser Band nach Konzeption und Inhalt von anderen Projekten zu diesem Thema erheblich unterscheidet. Auf seinen Seiten findet sich eine bunt gemischte Gesellschaft ein – nicht nur namhafte Historiker und Politologen, auch bekannte Literaturhistoriker, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Soziologen, Schriftsteller, Dichter und Übersetzer, selbst der eine oder andere Politiker, der dieser guten Gesellschaft jedoch keinen Abbruch tut (und dies sicher auch nicht will).
 Eine Reihe von Themen finden im tschechischen Kontext erstmalig Behandlung; etliche weniger bekannte Stereotypen vom Nachbarn machen wir uns erst heute klar. Wenn wir in so überzeugender Weise sehen, dass viele Tschechen und Deutsche in Wahlverwandtschaft lebten und zusammen arbeiteten, wie die Dichter Jan Skácel und Reiner Kunze, dann können wir auch der Hoffnung Ausdruck geben, dass diese Wahlverwandtschaft unsere bisherige Schicksalsgemeinschaft und unsere jahrhundertealte, wenn auch nicht immer einfache Nachbarschaft in der Mitte Europas bereichern und ergänzen wird.
 

Prag, den 20. September 2000

Václav Havel
 

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